Vor sehr langer Zeit waren Namen wie Ritz-Carlton oder Kempinski die ersten und letzen Marken in der Hotelbranche. Heute sieht es manchmal so aus als ob jeder mit genug Geld und einer halbwegs garen Idee ein Hotel eröffnen würde. Und es sind die Modemarken von Armani bis Versace, die sich heute als Hoteliers hervortun.
Gleichzeitig suchen sich immer mehr Hotels im Premium-Segment einen wichtigen Namen aus der Fashion-Industrie als neuen Partner, um in ihren Shops edle Gewänder und Accessoires anzubieten. Es wird aber auch Zeit, denn bislang bot der Hotelshop immer nur deprimierende Shopping-Erlebnisse: hässliche T-Shirts, Kaffeetassen oder Handtücher mit Hotellogo. Sehr gestrig und absolut unattraktiv.
Aber wie wäre es mit einer Tasche von Rebecca Minkoff? Die Starwood W Hotels bieten sie sogar im seltenen Türkis-Ton. Ein pinkfarbener Trilby von Stephen Jones? Den gibt es im Beverly Hills Hotel. Sehr geschmackvoll sind auch die Hüte und Reisetaschen die Louise Hempelman für die Dorchester Collection entworfen hat. Der letzte Schrei wird allerdings im New York Ace Hotel geboten. Der dortige Shop bietet Rodarte T-Shirts und Sonnenbrillen von Alexander Wang an. In einer Ära von globaler Gleichheit gibt es endlich einzigartige und wirklich lokale give-aways in den Hotelshops und sogar Artikel die spezifisch für das Hotel designt wurden.
„Da es immer mehr Design-orientierten Hotels auf dem Markt gibt, wird sich diese Idee mehr und mehr durchsetzen“, sagt Bruce Baltin, Senior VP von Colliers PKF Consulting USA. “Der Treiber ist der Wunsch nach Unterscheidung. Und heute wo selbst Ralph Lauren und Giorgio Armani im Hotelgeschäft mitmischen, werden hier noch mehr Absatzmöglichkeiten eröffnet.“
Die Vorreiter in Sachen Hotelshop waren die W Hotels, die bereits in 2001 den ersten W Store eröffnet haben. Zunächst gab es dort vor allem guest supplies und Artikel aus dem Hotelzimmer zu kaufen. Heute sind die W Shops, z. B. in London, hippe Konzeptstores mit eleganter Markenfashion, trendigen Schuhlabels und Coffee-Table-Books. Ein Fashion Emergency Kit von Diane von Fürstenberg, exklusiv designt für W Hotels, enthält ein „kleines Schwarzes” und die dazu passende Unterwäsche. Überflüssig zu erwähnen, dass der erste Global Fashion Director der Hotelbranche bei W Hotels angestellt ist.
So vor einigen Jahren Super-Chefs wie Dieter Müller oder Alain Ducasse engagiert wurden, um das dröge F&B Geschäft in vielen Hotels aufzumöbeln ruft man heute nach namhaften Mode-Designern. Denn letztendlich sind diese Ausflüge in die Mode weder Spielerei noch ein kurzlebiger Trend. In diesen Hotelshops wird tatsächlich Umsatz generiert. Und das liegt daran, dass heute wie vor 50 Jahren des Touristen Lieblingsbeschäftigung immer noch das Shopping ist. Wo könnte dieses Bedürfnis am ehesten gestillt werden als in einem modernen Hotelshop mit coolen Produkten renommierter Designer? So viel besser als eine Logo-Tasse!

