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Abturner der Woche

Thursday, July 21st, 2011

Neulich in einem noblem Brauhaus in München gegenüber der Oper. Ein gewöhnlicher Mittwochabend und wir sind nach einem Geschäftstermin um 18.00 h auf der Suche nach einem freien Tisch. Aber das Personal ist unwillig, weist uns einen Tisch direkt an der Eingangstür zu, der uns nicht gefällt. Auch weiter hinten sei nichts frei. Obwohl jede Menge Tische unbesetzt sind – zwar reserviert, aber eigentlich frei –  möchte die Mitarbeiterin uns keinen Tisch geben.

Mein kurzer Blick auf die platzierten Schilder bestätigt eine Unsitte, die von sehr vielen Restaurants propagiert wird und die mich gewaltig nervt: Es sind viele Tisch reserviert; aber erst für 19:30 oder 20:00 h. Dennoch will uns um 18 Uhr im Promi-Brauhaus niemand einen solchen Tisch anbieten. Und wir werden auch nicht gefragt, im Sinne von „dieser Tisch wäre bis 20:00 Uhr frei“.

Ich habe jedenfalls keine Lust, um solch einen Tisch zu betteln. Wirte, die bereits so satt sind, dass sie hungrige Gäste nicht bedienen wollen, obwohl jede Menge Platz ist, brauchen keine Empfehlung für zusätzlichen Umsatz. Mitarbeiter, die so wenig Lust haben, Ihren Job zu machen – denn man müsste zunächst natürlich ad hoc bedienen und dann auch noch den gebrauchten Tisch nochmals eindecken – haben im Service eigentlich nichts verloren.

Viel besser gefällt mir deswegen ein Angebot, das ich letzte Woche im Restaurant „Maison Blunt“ in Zürich entdeckt habe. Dort gibt es auch „Reserviert-Schilder“ auf den Tischen, aber im Gegensatz zu “20:00 h, 4 Personen,” steht hier einfach: Dieser Tisch ist frei bis 20:00h. Jeder, der hereinkommt und weiß, dass er um 20:00 h längst wieder verschwunden sein wird, freut sich über das generöse Platzangebot. So einfach ist es, Gäste zufriedenzustellen und seine Restaurant-Tische maximal auszulasten.

Sterneküche für Jedermann

Tuesday, February 15th, 2011

Ein Abendessen kreiert von einem Michelin-Sterne-Koch? Wer sich hier innerlich auf arroganten Service, jede Menge Silber, Easy Listening Musik und langweilige Tischgespräche einstellt, irrt sich gewaltig. Das fine dining auch anders geht, beweist das Pret á Diner in Berlin:

Auch wenn sich die Macher gegen den Begriff „Pop-Up Restaurant“ wehren, es ist eines. Schnell hinein gezimmert in die Alte Münze, die ehemalige Münzprägeanstalt von Berlin. Kalte Industriearchitektur, offene Heizungsrohre. Nein, dieses Restaurant hat nichts von dem üblichen Chi-Chi einer Gourmet-Hochburg.

Hinein geht es durch den kerzenbeleuchteten Eingang im „Industrial Look“, vorbei an der Kunstgalerie im früheren Tresorraum der Münze, in einen Lounge Bereich, den eine mit Champagner gefüllte Badewanne ziert. Kurz drauf wird der Gast im Restaurantbereich, mit offener Küche, platziert. Das Mobiliar ist größtenteils Second-Hand, geliehen oder aus dem Fundus des Filmstudios Babelsberg.

Das Pret A Diner in Berlin versucht sich an der  Demokratisierung des Luxus und das mit Erfolg. Ursprünglich nur für eine kurze Zeit verfügbar, sollte das “Pret à Diner” am 20. Februar schließen, nun geht das temporäre Restaurant in Berlin in die Verlängerung.

Wer es also bisher nicht geschafft hat, einmal die regional-extravagante Küche des Berliner Pop-Up-Restaurants zu probieren, bekommt noch zweite Chance. Vom 21. bis 28. Februar wird Kay Schoeneberger, Küchenchef des Caterers Kofler & Kompanie, den Kochlöffel im kulinarischen “Melting Pot” schwingen und nochmals die Highlights seiner drei Vorgänger Matthias Schmidt, Wahabi Nouri und Bernhard Munding servieren

Auch die Preise für ein Drei-Gänge-Menü (normal und vegetarisch) sind mit ab 39 Euro äußerst moderat.Wer also bis Ende Februar noch in Berlin weilt und  hier gerne essen will, muss sich beeilen, denn das Konzept der künstlichen Verknappung funktioniert. Die Küche auf Zeit ist täglich ausgebucht. Reservierungen nur über die Website Pret à Diner.

Und ich warte derweil sehnsüchtig auf die nächsten Pop-Up Restaurants – vielleicht in München oder Zürich?

Geheime Gourmets

Tuesday, February 8th, 2011

Wie war nochmal der Spruch mit der Schönheit, die im Verborgenen blüht? Zwar nicht wirklich verborgen, aber doch hinter unscheinbaren Innenstadtfassaden finden sich kleine Enklaven solider Kochkunst ganz ohne Restaurantschild und ausgehängter Speisekarte. So gibt es zum Beispiel in Berlin Kreuzberg den Shy Chef: Der Name ist Programm, hier gibt es kein Chefkochgehabe wie in lästigen Kochshows. Über die Webseite meldet man sich an, erst ein paar Tage vor dem Dinner bekommt man eine E-Mail mit der genauen Adresse und der Menükarte zugeschickt. Gäste werden um eine Spende von € 62,– für ein 5-Gänge-Menu inkl. Getränke gebeten. Für Februar sind noch einige Plätze frei!

Die Veranstalter von sogenannten Guerilla-Dinners, haben keine Restaurantlizenz, dafür umso mehr Spaß daran, Freunde und Fremde zu bewirten. Der finanzielle Aspekt steht vollkommen im Hintergrund. Ganz geheim, ein bisschen am Gesetz vorbei und vor allem ziemlich angesagt ist das. Und doch eigentlich schon ein älteres Konzept.

In Hongkong und Kuba haben solche halböffentlichen Restaurants Tradition. In den USA begann der Eventmanager Jeremy Townsend 2004 in Oakland bei San Francisco Dinnerpartys in privaten Wohnungen zu organisieren. Jemand stellte sein Wohnzimmer zur Verfügung, ein anderer bereitete in den meist winzigen Küchen das Essen zu, die Gäste meldeten sich per E-Mail an. Bald entstand das Online-Netzwerk Ghetto Gourmet, wo heute Mitglieder aus der ganzen Welt zu ihren Guerilla-Restaurants einladen.

In Deutschland erweist sich Berlin als HotSpot für geheime Gourmets. In der “Hostaria del Monte Croce” isst der Gast in ganz privater Atmosphäre. Im Gastraum mit Wohnzimmergröße gibt es nur ein einziges Menü. Der Preis von 51 Euro schließt alle Getränke mit ein. www.befo.de/hostaria

Conny und Achim Lichte aus Essen kochen auf vorherige Reservierung für kleine und größere Gruppen. Die Räume sind liebevoll eingerichtet und dem Koch kann man direkt über die Schulter schauen. Die Atmosphäre sehr entspannt. Termine und Preise auf Anfrage: www.essen-privat.de

Rudi rockt ist eine kulinarische City Tour bei der  3 Teams a 2 Personen jeweils einen Gang zubereiten, der dann in der Heimatküche des kochenden Teams genossen wird. Anschließend geht es zur gemeinsamen After-Dinner-Party. So lernt man schnell Stadt und Leute kennen. Anmeldung, Termine und alle Details unter www.rudirockt.de

In Zürich organisieren Renato und Oliver bei sich zu Hause unter dem Titel www.wiebeifreunden.ch leckere Menüs aus Biozutaten mit Blick auf die Limmat. Und in Bern gibt’s seit zweieinhalb Jahren «Schnouse».  Schnouse was für Nicht-Berner so viel heißt wie Naschen ist DAS Eldorado für alle Naschkatzen, Schleckermäulchen und Schokoholics. Denn in den privaten Räumen von Donat und Karin werden ausschließlich und nur Süßspeisen kredenzt. Jeden 2. Mittwoch, Anmeldung auf www.schnouse.ch