Neulich in einem noblem Brauhaus in München gegenüber der Oper. Ein gewöhnlicher Mittwochabend und wir sind nach einem Geschäftstermin um 18.00 h auf der Suche nach einem freien Tisch. Aber das Personal ist unwillig, weist uns einen Tisch direkt an der Eingangstür zu, der uns nicht gefällt. Auch weiter hinten sei nichts frei. Obwohl jede Menge Tische unbesetzt sind – zwar reserviert, aber eigentlich frei – möchte die Mitarbeiterin uns keinen Tisch geben.
Mein kurzer Blick auf die platzier
ten Schilder bestätigt eine Unsitte, die von sehr vielen Restaurants propagiert wird und die mich gewaltig nervt: Es sind viele Tisch reserviert; aber erst für 19:30 oder 20:00 h. Dennoch will uns um 18 Uhr im Promi-Brauhaus niemand einen solchen Tisch anbieten. Und wir werden auch nicht gefragt, im Sinne von „dieser Tisch wäre bis 20:00 Uhr frei“.
Ich habe jedenfalls keine Lust, um solch einen Tisch zu betteln. Wirte, die bereits so satt sind, dass sie hungrige Gäste nicht bedienen wollen, obwohl jede Menge Platz ist, brauchen keine Empfehlung für zusätzlichen Umsatz. Mitarbeiter, die so wenig Lust haben, Ihren Job zu machen – denn man müsste zunächst natürlich ad hoc bedienen und dann auch noch den gebrauchten Tisch nochmals eindecken – haben im Service eigentlich nichts verloren.
Viel besser gefällt mir deswegen ein Angebot, das ich letzte Woche im Restaurant „Maison Blunt“ in Zürich entdeckt habe. Dort gibt es auch „Reserviert-Schilder“ auf den Tischen, aber im Gegensatz zu “20:00 h, 4 Personen,” steht hier einfach: Dieser Tisch ist frei bis 20:00h. Jeder, der hereinkommt und weiß, dass er um 20:00 h längst wieder verschwunden sein wird, freut sich über das generöse Platzangebot. So einfach ist es, Gäste zufriedenzustellen und seine Restaurant-Tische maximal auszulasten.

