Eine Gruppe von Hotelbetreibern in den USA will gerichtlich gegen die Website tripadvisor.de vorgehen. Dies war vor einige Zeit in der Tagespresse zu lesen. So bequem Websites mit Hotelkritiken für den Nutzer sein mögen – manchmal sind sie einfach nur unfair, schädlich und bar jeder Grundlage. Manche Website wirbt sogar noch mit Horror-Hotel-Geschichten oder wählt die Top-Ten der am schlechtesten bewerteten Hotels. Keine gute Ausgangslage für die sachliche Beurteilung von Produkt und Dienstleistung.
Die Klage der Hoteliers soll nun dazu dienen faire Bedingungen zu schaffen, besonders wenn die Inhalte strafrechtlich relevante Tatbestände betreffen. Denn es gibt auch Kritiken, die z. B. Personal des Diebstahls bezichtigen. Und solche “Bewertungen” haben auf diesen Seiten nun wirklich nichts zu suchen.
Tatsächlich suchen heute über 30 Mio. Deutsche nach Bewertungen zu ihrem potentiellen Gastgeber im Internet bevor sie zur Buchung schreiten. Den Internet-Nutzern liegt der Wahrheitsgehalt einer Bewertung sehr am Herzen, wie eine repräsentative Umfrage des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR) ergab. Doch leider ist gerade das in den wenigsten Fällen wirklich garantiert.
Wie ebenfalls kürzlich in der Presse zu lesen war, gibt es Berater, die ihr Geld damit verdienen, für eigene Kunden positive und für die Konkurrenz entsprechend schlechte Bewertungen zu fingieren. Dazu ein sehr treffender Bericht des SWR weiter unten auf der Seite.
Und auch “jedermann” gibt Kritiken zu Hotels ab, die er persönlich noch nie im Leben von innen gesehen hat; was ein Kenner der Lokalität eigentlich leicht entlarven kann.
Wenn Herr K. aus W., Alter: zwischen 30 und 40 ein namhaftes Insel-Luxusresorthotel mit den Worten : „das ist keine Insel, sondern eine Sandbank“ inklusive Schreib- und Grammatikfehler beurteilt, so ist das kaum ernst zu nehmen und eher ein düsterer Blick in die deutsche Bildungslandschaft.
Was aber ist mit Otto Normalverbraucher, der ein oder zwei Mal im Jahr ein Hotel benötigt und keine Lizenz als Lügendetektor besitzt?
Noch vor nicht allzu langer Zeit wurden Hotels auch ohne Bewertungs-Websites gebucht, bewohnt, und für gut oder schlecht befunden. Man
verließ sich auf sein Bauchgefühl, auf die Webseite des Hotels oder auf Erfahrungen von Freunden oder Geschäftspartnern. Auch im Reisebüro gibt es heute immer noch Informationen zu Urlaubshotels und wer ganz skeptisch war, kaufte sich einen namhaften Hotelguide oder las eine Hotelkritik der Tageszeitung aus berufenem Munde.
Aber trotzdem verlassen wir uns heute auf die Meinung von Menschen, die uns völlig unbekannt sind! Die weder unseren Stil und Geschmack repräsentieren, noch – pardon – in unserer “Kampfklasse” agieren und glauben deren Ergüssen von schlechtem Essen und dreckigen Matratzen?
Ich empfehle Ihnen eine Gegenprobe: Nehmen wir an, Sie möchten ein Konsumgut kaufen, ein Auto vielleicht, eine Marken-Uhr…. Wo lassen Sie sich beraten? Sie lesen den Katalog oder eine Produkt-Broschüre. Sie besuchen ein Geschäft und sprechen mit einem Fachmann. Sie sehen auf den Herstellerwebsites nach? Ja. Und dann gehen Sie vielleicht zu einem guten Bekannten, der einen ähnlichen Artikel gerade erworben hat. Am Ende haben Sie sicher eine ziemlich genaue Vorstellung was Ihr Wunschprodukt leistet und was nicht. Interessiert es Sie da noch wirklich, was die fremde Frau K. aus H. dazu zu sagen hat?
Guter Rat ist teuer. So hieß es früher und es gilt noch heute. Verlassen Sie sich auf Ihr eigenes und sicher langjährig erprobtes Beratungsnetzwerk und lassen Sie sich nicht durch Web-Schwätzer beindrucken.

