Die Taj Hotels, Resorts & Palaces mit Sitz in Mumbai haben Anfang Juni Ihre neue Unternehmenswebsite präsentiert. Taj ist eine der größten (92 Hotels weltweit) und feinsten Hotelgruppen in Asien, mit so weltberühmten Trophy-Hotels wie z. B. dem Taj Mahal Palace.
Da ich schon in vielen Taj Hotels übernachtet und dort die warme indische Gastfreundschaft, Weltklasse-Service und modernem Luxus schätzen gelernt habe, war ich auf die Website außerordentlich gespannt. Auch der Pressetext, den ich hier in Auszügen zitiere, war ehrlich vielversprechend:
“Die Anwendererfahrung gestaltet sich sowohl einfach als auch informativ und wurde mit der Absicht entwickelt, durch Enthüllung der Wurzeln und des Erbes des Taj Vertrauen bei erstmaligen Besuchern der Seite zu schaffen. Besucher werden durch die neue und reichhaltigere Funktionalität, die Werkzeuge und den Inhalt mehr mit einbezogen. Der aufpolierte E-Commerce Bereich der Webseite setzt eine angepasste Engine ein, welche die Navigation und das Buchen vereinfacht. Evokative Bilder, unterstützt von interessanten Inhalten, die detaillierte Informationen über unsere einzigartigen Erlebnismöglichkeiten liefern, sowie Dienste und unterschiedliche Angebote etablieren Taj als eine einzigartige und wertvolle Luxusmarke und machen diese Seite zu einer Webseite der Weltklasse.”
Von Weltklasse habe ich auf der Site leider nichts gefunden, dafür jede Menge Langeweile; erzeugt durch simple Standards im Bereich Design und Navigation, die auf Unternehmensebene weder die Klasse der Hotels, noch den absolut unnachahmlichen Stil der Marke reflektiert.
Schockierender „Opener“ ist eine Strandszene, die mit Abstand zu den dilettantischsten Computergraphiken gehört, die ich je gesehen habe.
Nur falls es noch niemand weiß: Die Wahl der Corporate Signature Images eines Unternehmens ist genauso bedeutend wie die Wahl des Logo oder Claim. Die emotionale Verbindung, die der Kunde zu einer Marke herstellt, wird durch ein prägnantes Bild um ein Vielfaches intensiver wahr genommen als Text. Mit der schlechten Qualität, die die Frage „Gibt es im ganzen TAJ Konzern kein Resort-Bild?“ unbeantwortet lässt, degradiert sich TAJ ins Mittelmaß und das direkt beim ersten Blick.
In Ihrer Gesamtheit ist die gesamte Website einfach nur eine weitere elektronische Corporate Broschüre im Netz, die auf pure Selbstdarstellung aus ist und jegliche Interaktion mit dem Kunden vermissen lässt. Absolut unverständlicher Faux Pas: es gibt keinen einzigen Social Bookmark oder Link, keine Videos, keine atemberaubenden Bildergalerien. Nichts was eine Luxus-Website wirklich attraktiv und reizvoll macht, nämlich die emotionale, interaktive Komponente, die den Gast, Kunden oder Geschäftspartner direkt anspricht.
Auch auffällig: Wichtige Informationen wie z. B. für Investoren oder Developer werden erst durch mehrere Klicks oder gar nicht gefunden. Spannende Features wie z. B. die Gästekommentare werden ebenfalls auf die hinteren Ränge verbannt. Auch eine unmittelbare Kontaktaufnahme durch interaktive Tools wie z. B. einem Live-Chat fehlt. Die Seite ist durch und durch Standard, mühsam klickt man, und klickt und klickt, bis dann irgendwo Informationen erscheinen, so trocken aufgemacht, wie eine Steuererklärung und in erschreckend kleiner Schrift. Barrierefreies Internet? Nicht bei TAJ. Kein gutes Referenzprojekt für die durchführende Agentur Razorfish, die zu den Big Playern im Websitedesign gehört und eigentlich für Ihre rasanten und emotionsgeladenen Sites (L’Oreal, Red Bull, Levi’s) bekannt ist.
Traurig, dass die Hotellerie immer noch nicht genügend Mut hat, sich einmal offensiv, draufgängerisch und großzügig zu zeigen und vor allem anderen einmal den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Obwohl sich die Branche doch täglich mit den Grundbedürfnissen des menschlichen Seins auseinandersetzt: essen, trinken, schlafen. Ein Markenspielfeld, das andere Brands mit Wonne bedienen würden. Aber was in den Hotels offensichtlich so mühelos funktioniert auf dieser Corporate Website ist absolut nichts davon zu spüren.

