Danke im Hier und Jetzt

December 31st, 2012

Der letzte Tag des Jahres ist wieder übervoll. Übervoll mit den letzten Email-Neujahrswünschen, Facebook-Neujahrs-Posts und frohen Botschaften der CEO’s, Inhaber und Geschäftsführer die vollmundig ihre Editorials schreiben: wir sollen inne halten, in uns gehen, und – ganz wichtig – achtsam sein. Ja, das ist es. Achtsamkeit war wohl eines DER Schlagworte des ausklingenden Jahres. Aber – Hand aufs Herz  -wie achtsam oder aufmerksam waren Sie? Haben Sie genau darauf geachtet, was Ihre Freunde, Geschäftspartner oder Kunden gesagt und getan haben? Und wie haben Sie sich eigentlich in diesem Jahr gefühlt?

Werfen wir einen Blick darauf: Da gibt es einen Geschäftspartner, der freudig ein kleines Vermögen an die Internetagentur für seine neue Website gezahlt hat. Doch zu Weihnachten verschickten die Webdesigner noch nicht einmal eine elektronische Karte. Ein befreundeter Weinladen-Besitzer erzählt von dem Kunden, der sich nicht nur stundenlang beraten sondern beinahe alle vorhandenen Flaschen öffnen ließ. Gekauft hat er aber dann doch direkt beim Weingut. Achtsamkeit? Fehlanzeige. Da ist der Kunde, den der Reiseveranstalter vor einigen Monaten insgesamt mehrere Stunden am Telefon und per Email beraten hat. Gebucht hat der Kunde dann auch – direkt beim Hotel! Und auch der Media-Mann, bei dem ich jeden Monat 2 Anzeige schalte – wenn auch zum Spezialpreis –hat es anlässlich der Zeit des inne Haltens und Nachdenkens über das vergangene Jahr nicht geschafft, sich einfach mal dafür zu bedanken.

Und Sie? Lassen wir die Feiertagsemotionen mal beiseite. Wie oft bedanken Sie sich explizit oder nehmen Feedback wahr, das kein abgespultes Handbuch-Programm ist? Wie oft respektieren Sie die Leistung eines Anbieters, der mehr macht? Die Antwort ist doch: viel zu wenig. Denn alles ist irgendwie doch selbstverständlich. Das kontinuierlich gute Geschäft, die Stammkunden, die sowieso immer kommen. Die Freunde, die eh immer zur Stelle sind, die Kollegin, die einspringt, wenn’s mal wieder eng wird.

Gegen dieses Bewusstsein können wir wohl nicht mehr viel tun. Gefühlte Hundert Jahre Servicewüste Deutschland hat uns wohl immun gemacht, wenn mal wirklich richtig guter Service geboten wird oder der Laden so richtig rund läuft. Also trainieren wir jetzt auch in 2013 wieder Achtsamkeit! Oder noch in 2012 – Sie haben noch ein paar Stunden, um Danke zu sagen! Alles Gute und … DANKE!

 

If you pay peanuts, you get monkeys -Hotellerie/Gastronomie zahlt schlechteste Gehälter

December 3rd, 2012

“Mit dem berühmten Grand Hotel in Deutschland arbeiten wir seit Eröffnung des Hauses; die Zusammenarbeit ist erfolgreich aber geprägt von ständigen Wechseln in der Leitung Verkauf & Marketing. Kaum hat man sich mit seinen Bedürfnissen als Kunde und Spezifikationen des Geschäftes beim Ansprechpartner etabliert, schon ist wieder ein neuer Mitarbeiter am Platz. Und wir fangen wieder von vorne an. Das ist ermüdend und nervig!“

So oder ähnlich klingen die Sätze aus den Mündern von Kunden, die Geschäfte mit der Hotellerie machen. Der ständige Wechsel in den oberen und unteren Etagen vieler Hotels ist zermürbend. Langfristig gesehen sogar negativ für den Geschäftserfolg, denn gerade im gastgebenden Gewerbe ist Kontinuität in Service und Dienstleistung das A und O. Und die kommt nun mal nur von Menschen, die lange und länger in einem Hotel tätig sind. Nur langjährige Mitarbeiter kennen die Stammkunden und nicht nur Ihre Namen sondern alle Geschichten, die je mit Ihrem Aufenthalt verbunden waren, nur ein altgedienter Angestellter weiß um die besonderen Bedürfnisse des umsatzstarken Top-Accounts.

Aber Knowledge Management ist keine Königsdisziplin in der Hotellerie, denn die muss meist gut bezahlt werden und die Vorteile, die sie bringt, haben sich offensichtlich in vielen Betrieben nicht erschlossen. Das Gastgewerbe kämpft bis heute mit einem massivem Imageproblem: niedrige Löhne, unattraktive Arbeitszeiten, keine oder unattraktive Prämiensysteme, geringe Sozialleistungen, ein rauher Umgangston und schlechte Aufstiegsmöglichkeiten schrecken viele ab. Obwohl der demographische Wandel allerorten diskutiert wird, sind Themen wie Gesundheitsförderung oder Work-Life-Balance oder Investment in moderne Weiterbildung in der Branche sind nur vereinzelt etabliert. Vorreiter individueller Personalkonzepte scheinen offensichtlich nur die Privathoteliers oder kleine Hotelvereinigungen zu sein, denen der Fachkräftemangel stärker zu schaffen macht, als den großen Tieren der Branche. Wie sagte ein Ex-Kollege einmal: bei und mit den Alphatieren der Branche zu arbeiten macht keinen Spaß, aber es sieht gut aus im Lebenslauf!“

Gemessen an der Verantwortung sind die Gehälter in der Gastronomie ein Schlag in die Magengrube, es scheint als habe sich in den letzten 25 Jahren dort gar nichts bewegt: Laut einer gerade erschienen Studie des Jobportals Stepstone verdient ein Mitarbeiter in einer Unternehmensberatung im Durchschnitt etwa 60.500 Euro brutto. In der Gastronomie- und Hotelbranche verdient man mit knapp 32.230 Euro (monatlich 2686 Euro brutto) etwa die Hälfte weniger.

Vordenker Klaus Kobjoll, Direktor des Schindlerhof Nürnberg, der schon in den 80er Jahren seine Mitarbeiter Porsche fahren ließ, weil er Ihnen nicht mehr Gehalt bezahlen konnte, zitierte immer gerne den anglo-amerikanischen Tycoon James Goldsmith: »If you pay peanuts, you get monkeys.«. Doch hat die Branche daraus gelernt? Billige Arbeitskräfte aus dem Ausland, Stundenlöhne weit unter dem Manteltarifvertrag und Arbeitszeiten, die das Fürchten lehren stellen den Mitarbeiter nicht als Leistungsträger in den Mittelpunkt sondern verhöhnen ihn nur. Und wir sehen z. B. aktuell am Beispiel der Bühlerhöhe, wieso die Glamourhotels von einst heute in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Dazu kommt noch eine Preispolitik, befeuert von der grauenhaften “Geiz ist Geil” Mentalität in deutschsprachigen Landen. Eine Hotelübernachtung muss heute billig sein, besondere Qualität steht nicht mehr Fokus, nur so ist der kometenhafte Aufstieg der Billig-Hotels zu erklären. Aber auch dieser wird auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen.

Nur ein Hotelier, der den Mut hat den Mitarbeiter nicht als Kostenfaktor sondern als Umsatzgenerierer zu sehen, wird langfristig erfolgreich sein. Dienstleistung hat einen Preis, die sich pro Übernachtung spiegeln muss und die durch Zusatzleistungen, die Menschen erbringen gerechtfertigt wird. Nur Qualität und hervorragender Service begründet den (höheren) Preis. A la longue funktioniert diese simple Methode, doch die wenigsten haben den Mut im Markt diese Sonderstellung einzunehmen. Mit den Wölfen heulen – mit Ihnen untergehen scheint das Motto zu sein.

Hotelkritiken – der unsichtbare Feind!

October 19th, 2012

Eine Gruppe von Hotelbetreibern in den USA will gerichtlich gegen die Website tripadvisor.de vorgehen. Dies war vor einige Zeit in der Tagespresse zu lesen. So bequem Websites mit Hotelkritiken für den Nutzer sein mögen – manchmal sind sie einfach nur unfair, schädlich und bar jeder Grundlage. Manche Website wirbt sogar noch mit Horror-Hotel-Geschichten oder wählt die Top-Ten der am schlechtesten bewerteten Hotels. Keine gute Ausgangslage für die sachliche Beurteilung von Produkt und Dienstleistung.

Die Klage der Hoteliers soll nun dazu dienen faire Bedingungen zu schaffen, besonders wenn die Inhalte strafrechtlich relevante Tatbestände betreffen. Denn es gibt auch Kritiken, die z. B. Personal des Diebstahls bezichtigen. Und solche “Bewertungen” haben auf diesen Seiten nun wirklich nichts zu suchen.

Tatsächlich suchen heute über 30 Mio. Deutsche nach Bewertungen zu ihrem potentiellen Gastgeber im Internet bevor sie zur Buchung schreiten. Den Internet-Nutzern liegt der Wahrheitsgehalt einer Bewertung sehr am Herzen, wie eine repräsentative Umfrage des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR) ergab. Doch leider ist gerade das in den wenigsten Fällen wirklich garantiert.

Wie ebenfalls kürzlich in der Presse zu lesen war, gibt es Berater, die ihr Geld damit verdienen, für eigene Kunden positive und für die Konkurrenz entsprechend schlechte Bewertungen zu fingieren. Dazu ein sehr treffender Bericht des SWR weiter unten auf der Seite.

Und auch “jedermann” gibt Kritiken zu Hotels ab, die er persönlich noch nie im Leben von innen gesehen hat; was ein Kenner der Lokalität eigentlich leicht entlarven kann.

Wenn  Herr K. aus W., Alter: zwischen 30 und 40 ein namhaftes Insel-Luxusresorthotel mit den Worten : „das ist keine Insel, sondern eine Sandbank“ inklusive Schreib- und Grammatikfehler  beurteilt, so ist das kaum ernst zu nehmen und eher ein düsterer Blick in die deutsche Bildungslandschaft.

Was aber ist mit Otto Normalverbraucher, der ein oder zwei Mal im Jahr ein Hotel benötigt und keine Lizenz als Lügendetektor besitzt?

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurden Hotels auch ohne Bewertungs-Websites gebucht, bewohnt, und für gut oder schlecht befunden. Man verließ sich auf sein Bauchgefühl, auf die Webseite des Hotels oder auf Erfahrungen von Freunden oder Geschäftspartnern. Auch im Reisebüro gibt es heute immer noch Informationen zu Urlaubshotels und wer ganz skeptisch war, kaufte sich einen namhaften Hotelguide oder las eine Hotelkritik der Tageszeitung aus berufenem Munde.

Aber trotzdem verlassen wir uns heute auf die Meinung von Menschen, die uns völlig unbekannt sind! Die weder unseren Stil und Geschmack repräsentieren, noch – pardon – in unserer “Kampfklasse” agieren und glauben deren Ergüssen von schlechtem Essen und dreckigen Matratzen?

Ich empfehle Ihnen eine Gegenprobe: Nehmen wir an, Sie möchten ein Konsumgut kaufen, ein Auto vielleicht, eine Marken-Uhr…. Wo lassen Sie sich beraten? Sie lesen den Katalog oder eine Produkt-Broschüre. Sie besuchen ein Geschäft und sprechen mit einem Fachmann. Sie sehen auf den Herstellerwebsites nach? Ja. Und dann gehen Sie vielleicht zu einem guten Bekannten, der einen ähnlichen Artikel gerade erworben hat. Am Ende haben Sie sicher eine ziemlich genaue Vorstellung was Ihr Wunschprodukt leistet und was nicht. Interessiert es Sie da noch wirklich, was die fremde Frau K. aus H. dazu zu sagen hat?

Guter Rat ist teuer. So hieß es früher und es gilt noch heute. Verlassen Sie sich auf Ihr eigenes und sicher langjährig erprobtes Beratungsnetzwerk und lassen Sie sich nicht durch Web-Schwätzer beindrucken.

SWR Fernsehen: Profitexter fälschen im Internet!